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KOPFSACHE
KOPFSACHE28. Juni 20265 Min Lesezeit

Verstehen ist nicht Zustimmung, und warum das so schwer auszuhalten ist

Die Idee hinter jedem KOPFSACHE-Workshop. Und warum sie im Klassenzimmer jedes Mal für einen kurzen Moment Stille sorgt.

Wenn ich mit einer Klasse arbeite, kommt irgendwann dieser eine Moment. Wir reden über eine Meinung, die den meisten fremd ist, und ich frage: Was, wenn die Person, die das sagt, im Grunde dasselbe will wie du?

Kurze Stille. Denn Verstehen fühlt sich für viele wie Nachgeben an. Als würde man dem anderen recht geben, sobald man versucht, ihn zu verstehen. Genau da liegt der Denkfehler.

Warum es sich wie Nachgeben anfühlt

Wir haben gelernt, dass Zuhören eine Belohnung ist. Wer verstanden wird, hat irgendwie gewonnen. Also verweigern wir das Verstehen, wenn wir nicht verlieren wollen. Das passiert schnell, meist ohne dass wir es merken.

Aber die beiden Dinge haben nichts miteinander zu tun.

Verstehen heisst nicht, zuzustimmen. Es heisst nur, die Geschichte hinter einer Meinung zu sehen.

Und aus dieser Geschichte wird fast immer ein Bedürfnis sichtbar, das man selber auch kennt. Sicherheit, Zugehörigkeit, gehört zu werden. Sobald das auf dem Tisch liegt, redet man nicht mehr über Fronten, sondern über Menschen.

Der erste Schritt, nicht der letzte

Das ist kein Trick, um Streit zu vermeiden. Es ist der erste Schritt zu einem Gespräch, das überhaupt irgendwohin führt. Man muss dem anderen nicht recht geben. Aber solange man ihn nicht versteht, redet man nur aneinander vorbei.

Genau diese Unterscheidung üben wir. Nicht als Regel zum Auswendiglernen, sondern als etwas, das man einmal selbst spürt und danach nicht mehr vergisst.

Joel Scheuner
Übersetzer zwischen Kompliziertem und Menschen
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