Wie man einem 15-Jährigen erklärt, was er längst weiss
Erklären heisst nicht hinzufügen. Meistens heisst es wegräumen.
Der grösste Fehler beim Erklären ist, dass man etwas dazugibt. Noch ein Beispiel, noch eine Regel, noch ein Merksatz. Dabei sitzt das Problem meistens woanders.
Wenn ein Fünfzehnjähriger eine Aufgabe nicht lösen kann, fehlt ihm selten das Wissen. Es fehlt die Ordnung. Irgendwo drei Kapitel früher ist eine Kleinigkeit unklar geblieben, und darauf steht jetzt alles ein bisschen wacklig.
Weniger erklären, mehr wegräumen
Meine Arbeit ist also nicht, mehr zu erklären. Sie ist, wegzuräumen. Ich suche die eine Stelle, an der es wirklich hakt, und wir bauen von da neu auf. Plötzlich ist die schwere Aufgabe gar nicht mehr schwer.
Fast nie fehlt das Wissen. Es fehlt die Ordnung. Und Ordnung kann man nicht dazugeben, nur freilegen.
Das klingt simpel, ist aber das Gegenteil von dem, was die meisten tun. Der Reflex ist, mehr zu geben. Dabei liegt die Lösung fast immer im Weglassen.
Der Moment, auf den ich warte
Das Schönste daran ist der Moment, in dem jemand merkt: Ich konnte das eigentlich die ganze Zeit. Ich hab es nur nicht klar gesehen.
Das ist kein Nachhilfe-Trick. Es ist der Punkt, an dem aus einem Fach wieder etwas wird, das man selbst in der Hand hat.